Grüß Gott!

Foto (c) R.Schulz

Grüß Gott und herzlich willkommen auf unserer Homepage!

St. Markus hat viele Gesichter und Menschen, die das Gemeindeleben mitgestalten. Diese Gemeinde mitten im Herzen von München bietet eine große Vielfalt an Begegnungen und Erfahrungen. Dabei gibt es vieles aus dem Leben unserer Kirche zu erzählen. Einmal im Monat stellt sich an dieser Stelle eine Person aus unserem großen Markus-Team mit seinen ganz persönlichen Eindrücken vor.

Link zu den gesammelten Texten.

  


 

Gebet

Mir hat einmal jemand gesagt: Ich bete nicht. Ich rede mit Gott.

Ich finde: Dieser Mensch hat eine Selbstverständlichkeit ausgesprochen. Was ist das Gebet denn anderes als Reden mit Gott? Es muss ja nun wirklich kein vorflormulierter und auswendig gelernter Text sein. Ja, für Kinder ist es wichtig, wenn sie gereimte oder sonstwie gebundene Gebete lernen. Aber schon Kinder können lernen, auch einfach ihre Gedanken Gott zu sagen.

Ja, ihre Gedanken. Nicht bloß ihre Bitten. Manchmal kommt mir Gott vor wie eine Dienstmagd, die herumgescheucht wird: „Mach dies, mach jenes..." Und was, wenn sie die Gebete widersprechen? Wenn der eine betet: „Gott, lass es regnen, damit die Kartoffeln wachsen", und der andere betet: „Lass die Sonne scheinen, damit ich zum Baden gehen kann", dann sehen wir schon, dass es so einfach mit dem Beten nicht sein kann: Ich werfe oben ein Gebet rein, und unten ziehe ich das aus dem Gebetsautomaten raus, was ich mir wünsche.

Nein, so leicht läßt Gott sich nicht herumscheuchen.

Immer wieder habe ich gehört: „Ich habe Gott so sehr um etwas gebeten, aber er hat es mir nicht gegeben. Das ist für mich der Beweis, daß es ihn nicht gibt."

Nein, ich würde sagen: Das ist ein Zeichen dafür, daß Gott etwas anderes vorhat.

Beten heißt dann: Ich sage Gott, was mich belastet und was ich gern anders haben möchte. Und indem ich es ihm abgebe, werde ich offen, kann ich mich selber verändern. Wenn ich am Gebet dranbleibe, auch wenn sich scheinbar gar nichts tut, kann mich das ändern. Ich kann merken, wie hohl mein Beten vielleicht ist. Und dann ändert sich vielleicht immer noch nicht die Situation, aber ich selbst kann verändert werden. Ich merke, dass ich an der schwierigen Situation, die ich wegbeten wollte, vielleicht wachsen kann, dass ich daran reifen kann - und nach Gottes Willen auch soll. Und wenn mir das bewusst wird und ich dazu ja sage, dann hat mein Gebet Erhörung gefunden.

Einen gesegneten Spätsommer wünscht Ihnen

Pfarrer Tilmann Haberer

Ihr Tilmann Haberer, Pfarrer an St. Markus