Herzliche Einladung zum nächsten Konzert des Markus-Chors:

Sonntag, 15. Oktober, 18 Uhr

Johannes Brahms: „Ein deutsches Requiem" op.45
Vier ernste Gesänge op. 121 (Orchesterfassung)

„Tod, wo ist dein Stachel?"
Johannes Brahms' Vertonungen von Lutherbibel-Texten zum Thema Tod und Vergänglichkeit

„Siehe, ich sage euch ein Geheimnis: Wir werden nicht alle entschlafen, wir werden aber alle verwandelt werden." Brahms orientiert sich bei der Auswahl seiner Texte für sein „Deutsches Requiem" nicht am traditionellen Kanon der lateinischen Totenmesse, sondern vertont Texte des Alten und Neuen Testamentes in der Fassung der Lutherbibel. Im Mittelpunkt steht weder die Trauer um die Toten noch die Fürbitten für deren Seelenheil, sondern der Trost für die Hinterbliebenen. So entsteht ein wahrhaft evangelisch-lutherisches Requiem, das für die Lebenden bestimmt ist, ganz im Geiste der Aufforderung Jesu: „Lass die Toten ihre Toten begraben, du aber gehe hin und verkündige das Reich Gottes." Mit dem in mehreren Abschnitten zwischen 1861 und 1868 entstandenen Opus präsentiert Brahms der Musikwelt sein erstes großes Meisterwerk, das ihm den künstlerischen Durchbruch bringen wird. Gleichzeitig verarbeitet er darin die seelischen Erschütterungen seiner frühen Jahre wie den Tod seiner Mutter und Robert Schumanns. Die Gegenüberstellung von Vergänglichkeit und Ewigkeitshoffnung bestimmt die Textauswahl: Steht zuletzt der Tod, oder führt das irdische Leben und Streben schließlich doch zu Gott? Interessant: Die meisten der vertonten Texte stammen aus dem Alten Testament. Christusworte kommen vor, aber Christus wird namentlich nicht erwähnt.

Etwa 30 Jahre später klingt der Komponist ganz anders: „Es gehet dem Menschen wie dem Vieh. Es fährt alles an einen Ort; es ist alles von Staub gemacht, und wird wieder zu Staub. Wer weiß, ob der Geist des Menschen aufwärts fahre, und der Odem des Viehes unterwärts unter die Erde fahre?" Er verbringt einige Tage in Bad Honnef am Rhein im Kreis seiner Freunde, nicht lange nach Clara Schumanns Tod. Als sie in anregendem Gespräch so dahingehen, sagt Brahms plötzlich: „Ich habe mir zu meinem Geburtstag ein paar Lieder komponiert. Es sind ganz gottlose Lieder, aber ihre Texte stehen Gott sei Dank in der Bibel." Drei der vier Texte entstammen alttestamentlichen Weisheitsbüchern (Prediger Salomo und Jesus Sirach), die teilweise nihilistisch oder zumindest pessimistisch anmuten: besser als die Lebenden und die Toten sei der Mensch dran, der noch nicht geboren wurde, denn er werde des Bösen nicht inne, das unter der Sonne geschieht. Skepsis und Zweifel sind nun nicht mehr zu überhören. Und doch: im letzten dieser Lieder (und damit in einer seiner letzten Kompositionen überhaupt) tauchen plötzlich Worte aus dem ersten Korintherbrief auf: „Es bleiben Glaube, Hoffnung, Liebe, diese drei...."

Die Spannung zwischen diesen sehr unterschiedlichen Texten ist immens: eine wunderbare Herausforderung, sie an einem Abend intensiv zu erleben und zu ertragen, getragen von den über- und unterirdischen Klängen, mit denen Brahms sie umgibt. Ich freue mich auf einen spannenden Konzertabend und lade Sie ganz herzlich ein:

Mitwirkende:

Yo Chan Ahn (Foto: Maer) Anna Karmasin (Foto: Peschel-Findeisen)

Yo Chan Ahn, Bariton
Anna Karmasin, Sopran

Markus-Chor München

Markus-Orchester & Markus-Chor
Leitung: Michael Roth
hinführende Texte: Pfarrer Olaf Stegmann

Karten / Tickets:

12,- bis 27,- EUR bei München Ticket (www.muenchenticket.de oder 089/ 54 81 81 81) zzgl. VVK-Gebühren
sowie an der Abendkasse (hier auch ermäßigte Karten von 7,- EUR für SchülerInnen und Studierende).