Ausnahmeland im Nahen Osten – Unsere Reise nach Jordanien. Rückblick von Jutta Höcht-Stöhr.

Unsere Studien- und Begegnungsreise „Kultur, Gesellschaft und interreligöser Dialog in Jordanien“ endete am Morgen des 26.03.2022 mit der pünktlichen Landung der Reisegruppe in München. Alle sind ohne Zwischenfälle wohlbehalten zurück. Durch die Gesprächspartner haben wir viele Aspekte der Jordanischen Gesellschaft kennengelernt, von denen wir alle nichts wussten. Es ist wie immer: auf Reisen stellen sich Fragen, auf die man Zuhause niemals käme.
-Die wunderbaren junge Leute von Ecopeace, die Wasserfragen (Verteilungsfragen und Verbrauchsfragen) mit Friedensfragen zwischen Jordanien, Palästina und Israel verbinden möchten und zur Demonstration einen sehr schönen Park angelegt haben.

 

-Die doch überraschend große Bedeutung der Palästinafrage bei der älteren Generation, sofern sie aus 1948 oder 1967 aus Palästina geflohen ist: auch wenn sie gut etabliert sind, haben die Alumni, die wir kennenlernten, hier eine hohe Emotionalität. Sie dürfen allerdings auch nicht nach Palästina einreisen, nicht einmal beim Tod der eigenen Mutter dort. Die nächste Generation könnte möglicherweise selbstverständlicher in Jordanien zuhause sein.
-Und das Royal Institut für Interfaith Studies, dessen christliche und muslimische Vertreter eine hochreflektierte Präsentation im Verhältnis zueinander einbrachten, aber in eine andere Tonalität kommen, wenn man nach der Beteiligung der jüdischen Seite am Dialog fragt: international ja, vor Ort schlägt der Israel-Palästinakonflikt den Dialog.
-Trotzdem: Jordanien ist ein sehr besonderes Land im Nahen Osten: das Zusammenleben der Religionen und Ethnien gelingt offenbar besser als in den anderen Ländern in der Region derzeit. Das haben inbesondere die Vertreter der Syrisch-Orthodoxen Kirche betont, die ja alle als Flüchtlinge (aus der Südost-Türkei nach dem 1. Weltkrieg oder aus Irak/Mossul in den letzten Jahren) gekommen waren und die in Jordanien wirklich neue Heimat gefunden haben. Auch der Priester der Gemeinde, Father Benjamen Shimon, stammt aus Mossul. Er wird Deutschland im Juli besuchen und wir versuchen einen Kontakt mit Ordinariat und ELKB herzustellen, um die Arbeit der Syrisch-Orthodoxen Gemeinde in Amman mit Geflüchteten zu unterstützen.

 

-Großartig: das Kunst- und Kulturzentrum Darat al Funun. Fünf wunderbare alte Häuser wurden von einer Stiftung gerettet, um dieses Institut dort zu begründen, das unter dem Motto „Kunst, Architektur, Archäologie“ Ausstellungen mit Schwerpunkt Gegenwartskunst zeigt.

Blick auf Amman von Darat al Funun aus

-Das spontane Treffen mit dem Vizepräsidenten der Deutsch-Jordanischen Universität und der Dekanin der Architekturfakultät war ein zusätzliches Highlight zum durch Arabia Felix hervorragend vorbereiteten Programm.
Die Architekturfakultät in der Altstadt von Amman (nicht im entfernten Campus in Madaba) ist ein Katalysator zur Neubewertung der Altstadt, in die früher „niemand gegangen ist“. Jetzt siedeln sich andere Partner (Goethe-Institut, Friedrich Naumann Stiftung) in der Nachbarschaft an. Der Ansatz der Universität ist eine deutsch-jordanische Zusammenarbeit auf Augenhöhe. Das Treffen fand in der „German Lounge“ statt, die noch vor der offiziellen Eröffnung steht.

Vizepräsident der Uni und Dekanin der Architekturfakultät

Der jordanische Partner Camera Tours war sehr engagiert, alles zu unserer Zufriedenheit zu regeln.
Auf allen Stationen der Reise wurde uns sehr bewusst, wie wichtig der wieder beginnende Tourismus nach zwei Jahren weitgehenden Lockdowns für die Wirtschaft und die Menschen des Landes ist.
-Unsere beiden Reiseleiter Salim Najeh und Prof. Moawiyah Ibrahim hätten unterschiedlicher nicht sein können. Wir haben es dennoch geschafft, bestmöglich von den Stärken der beiden zu profitieren.
-Prof. Ibrahim ist eine hochrangige Koryphäe, der überall, wo wir waren, große Achtung, ja Verehrung entgegengebracht wurde. Er wird im Sommer nach Deutschland kommen – ans Deutsche Archäologische Institut in Berlin und für eine Vortragsreise. Seiner Vernetzung haben wir u.a. zu verdanken, dass wir in Petra spontan den Dekan der dortigen Archäologiefakultät treffen konnten, um nach den neuester Erkenntnissen der Ausgrabungen dieser unglaublichen Stadt in der Wüste zu fragen.
-Ausgezeichnet war die Zusammenarbeit und die Arbeitsteilung mit unserem Partner Dr. Andreas Renz, von dessen fundiertem Fachwissen und seiner angenehmen menschlichen Art wir alle sehr profitiert haben. Er leitet den Fachbereich Dialog der Religionen im Ordinariat der Erzdiözese München und Freising.
Soweit ich sehe, waren alle sehr zufrieden mit dem Unternehmen, eine sehr heterogene und doch sehr beziehungsfähige Gruppe.
Es wäre schön, wenn auch aus dieser Reise bleibende Beziehungen zum Land entstehen, wie es bei Stadtakademiereisen fast immer der Fall war.

Jutta Höcht-Stöhr