Gedanken zur Jahreslosung 2024

"Alles, was ihr tut, geschehe in Liebe." (1. Korinther 16,14)

Liebe kennt viele Sprachen – aber erstaunlich wenig Worte, zumindest im Deutschen. Denn was kann dies eine Wörtlein nicht alles bedeuten... Es ist das Atom, aus dem die großen Dichtungen, Romane und Kompositionen der Welt bestehen (von seiner breiten Kommerzialisierung ganz zu schweigen)... Umso erstaunter reagieren Student*innen der Theologie, wenn sie sich als steiniges Initiationsritual ihres Berufsweges das erste Mal durch den berüchtigten Alt-Griechischkurs quälen, denn sie dürfen entdecken, dass es im Griechischen nicht weniger als drei Worte für diese grenzen- und uferlose Gefühlswelt gibt: Eros, Philia und Agape...

Aber was ist was?
Nun, den Eros kennen wohl die meisten aus ihrem eigenen Erlieben und -leiden: Er bezeichnet die große, bunte und vielfältige Welt der sinnlichen Liebe und Leidenschaft, welche uns der Liebe Gott geschenkt hat, da sie einfach sehr gut ist (Vgl. Gen 1,31!). Herneben steht die Philia als geschwisterliche und familiäre Freundschaftlichkeit und Solidarität, wie sie sich prominent im Namen der Stadt Philadelphia verewigt hat. Und bei der dritten Form der Liebe schließlich kommt der Apostel Paulus ins Spiel: er ist der Großmeister der Agape, der selbstlos-gemeinschaftlichen Liebe. Jener Liebe, die nicht das Egoistische sucht, nicht die schnelle Lustbefriedigung oder den Wettbewerbsgewinn über andere. Sie ist die Liebe Jesu.

„Alles, was ihr tut, geschehe in Liebe“ (1Kor 16,14), ermahnt Paulus seine Sorgenkinder: die gerne herumzankende und in bunteste Skandale verwickelte korinthische Gemeinde. Er weiß, dass er es hier mit der berüchtigsten Stadtbevölkerung seiner Zeit zu tun hat. Korinth, in dieser sprichwörtlich verruchtesten Stadt der griechischen Welt ging es besonders wüst her, womöglich reichte der Eros dort bis hin zu ritueller Tempelprostitution! Paulus wird das wissen – aber trotzdem zeigt er eine tiefe Herzensliebe zu seinen korinthischen Sünder*innen - gerade, wenn er sie immer wieder geduldig und unermüdlich geschwisterlich ermahnt, die Vielfalt ihrer Liebe in Christus etwas selbstloser und allumfassender zu gestalten.

Seine Worte überstrahlen 2000 Jahre und sind uns 2024 als Jahreslosung geschenkt. Denn sie gelten auch uns. Gerade heute. Eros, Philia und Agape: Alle drei gehören zusammen. Alle drei sind auf ihre Weise förderlich und nützlich, denn gottgegeben. Aber wie sagt Paulus im gleichen Brief an anderer Stelle und in etwas anderem Kontext so unübertrefflich: „Die Liebe (als Agape!) ist die größte unter ihnen.“ (1Kor 13,13)

Liebe Grüße!
Ihr Matthias Kauffmann

Vikar an St. Markus

"Alles, was ihr tut, geschehe in Liebe." (1. Korinther 16,14)

Liebe kennt viele Sprachen – aber erstaunlich wenig Worte, zumindest im Deutschen. Denn was kann dies eine Wörtlein nicht alles bedeuten... Es ist das Atom, aus dem die großen Dichtungen, Romane und Kompositionen der Welt bestehen (von seiner breiten Kommerzialisierung ganz zu schweigen)... Umso erstaunter reagieren Student*innen der Theologie, wenn sie sich als steiniges Initiationsritual ihres Berufsweges das erste Mal durch den berüchtigten Alt-Griechischkurs quälen, denn sie dürfen entdecken, dass es im Griechischen nicht weniger als drei Worte für diese grenzen- und uferlose Gefühlswelt gibt: Eros, Philia und Agape...

Aber was ist was?
Nun, den Eros kennen wohl die meisten aus ihrem eigenen Erlieben und -leiden: Er bezeichnet die große, bunte und vielfältige Welt der sinnlichen Liebe und Leidenschaft, welche uns der Liebe Gott geschenkt hat, da sie einfach sehr gut ist (Vgl. Gen 1,31!). Herneben steht die Philia als geschwisterliche und familiäre Freundschaftlichkeit und Solidarität, wie sie sich prominent im Namen der Stadt Philadelphia verewigt hat. Und bei der dritten Form der Liebe schließlich kommt der Apostel Paulus ins Spiel: er ist der Großmeister der Agape, der selbstlos-gemeinschaftlichen Liebe. Jener Liebe, die nicht das Egoistische sucht, nicht die schnelle Lustbefriedigung oder den Wettbewerbsgewinn über andere. Sie ist die Liebe Jesu.

„Alles, was ihr tut, geschehe in Liebe“ (1Kor 16,14), ermahnt Paulus seine Sorgenkinder: die gerne herumzankende und in bunteste Skandale verwickelte korinthische Gemeinde. Er weiß, dass er es hier mit der berüchtigsten Stadtbevölkerung seiner Zeit zu tun hat. Korinth, in dieser sprichwörtlich verruchtesten Stadt der griechischen Welt ging es besonders wüst her, womöglich reichte der Eros dort bis hin zu ritueller Tempelprostitution! Paulus wird das wissen – aber trotzdem zeigt er eine tiefe Herzensliebe zu seinen korinthischen Sünder*innen - gerade, wenn er sie immer wieder geduldig und unermüdlich geschwisterlich ermahnt, die Vielfalt ihrer Liebe in Christus etwas selbstloser und allumfassender zu gestalten.

Seine Worte überstrahlen 2000 Jahre und sind uns 2024 als Jahreslosung geschenkt. Denn sie gelten auch uns. Gerade heute. Eros, Philia und Agape: Alle drei gehören zusammen. Alle drei sind auf ihre Weise förderlich und nützlich, denn gottgegeben. Aber wie sagt Paulus im gleichen Brief an anderer Stelle und in etwas anderem Kontext so unübertrefflich: „Die Liebe (als Agape!) ist die größte unter ihnen.“ (1Kor 13,13)

Liebe Grüße!
Ihr Matthias Kauffmann

Vikar an St. Markus