St. Markus im Wandel der Zeit - ein kurzer historischer Abriss

Bild im Flyer über die Geschichte (c) St. Markus

Der erste Kirchenbau 1873-1876

St. Markus ist als Filialkirche der I. Protestantischen Kirche in München, St. Matthäus, in den Jahren 1873-1876 nach Plänen von Professor Rudolf Wilhelm Gottgetreu, Architekt in Mün-chen, mit kleinen Änderungen durch Professor Georg Eberlein, erbaut worden. Die Kirche erhielt den Namen „II. Protestantische Kirche".

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Die dreischiffige Backsteinkirche im neugotischen Stil hatte einen 64 m hohen Turm; die Decke von Schiff und Chorraum war als Kreuzrippengewölbe gestaltet und je eine Empore war für Gottesdienstbesucher und die Orgel vorgesehen.

Die Innenausstattung im neugotischen Stil bestand aus einem holzgeschnitzten Altar, über dessen Tisch das Gemälde „Auferstehung“ des Münchener Malers Ludwig Thiersch (1825-1909) hing. Heute hat es seinen Platz auf der Südseite der Empore links neben der Orgel. Zur ersten Ausstattung gehörten auch eine aus Holz gefertigte Kanzel mit einem weit hinaufgezogenem Dach und reicher Schnitzerei, ebenso ein Taufstein im Chorraum.

1885 wurde die „II. Protestantische Kirche“ in St. Markus Kirche umbenannt, blieb aber noch Filialkirche von St. Matthäus. Eigenständiger Pfarrbezirk wurde St. Markus zum 1. Januar 1900, eine eigenständige Kirchengemeinde mit Kirchenvorstand am 1. Januar 1920.

Die Elektrifizierung der Kirche nach 1900 hat Abendveranstal-tungen wie Vorträge und Konzerte ermöglicht, die lebhaften Zuspruch gefunden haben.

Umbau 1936/1937

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1936/37 hat der Münchener Architekt Professor German Bestelmeyer den Innenraum umgestaltet. Er ließ die Fenster im Chor verlängern und auf der Westseite des Chors eine schmale Empore aus Stein einfügen, die sogenannte Sängerkanzel. Den neugotischen Altar aus Holz hat er durch einen Altar aus rotem Ruhpoldinger Marmor ersetzt, dessen Seiten von zwei Löwen flankiert werden.

Die drei Chorfenster wurden nach unten verlängert und mit 48 Glasbildern des Künstlers Hermann Kaspar gestaltet. Sie stellen das Evangelium nach Markus dar. Die Glasbilder sind in der Mayer’schen Hofkunstanstalt in München angefertigt worden.

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Neue Ausstattungsstücke waren ein Taufbecken aus Messing, getragen von einem Engel, sowie Paramente der Textilkünstlerin Prof. Else Jaskolla.

Auch die Orgel wurde erneuert; ab 1937 erklang in Gottesdiensten und Konzerten eine Steinmeyer-Orgel .

 

Nach 1945

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Der Zweite Weltkrieg hat erhebliche Schäden verursacht. 1944 waren das Dach zerstört und die Turmspitze beschädigt worden; nach einem Bombentreffer 1945 standen von Gewölbe und Chorraum nur noch Mauerreste. Die Glasbilder und die Steinmeyer-Orgel waren ausgelagert und haben so den Krieg unversehrt überstanden. Nach dem Krieg wurde eine provisorische Holzbalkendecke eingezogen. Im Kircheninneren sind neugotische Stilelemente entfernt worden; statt der verbrannten Holzkanzel wurde eine Steinkanzel eingebaut; deren Flachreliefs des Bildhauers Hans Vogel, die die vier Evangelisten darstellen, stammen aus dem Jahr 1962.

Bild im Flyer über die Geschichte (c) St. MarkusBild im Flyer über die Geschichte (c) St. Markus1951 begann Karl Richter seinen Dienst als Organist an St. Markus. Richter baute den Bach-Chor auf und stellte das Bach-Orchester zusammen. Karl Richter machte St. Markus zu einer zentralen, international renommierten Aufführungsstätte für die Musik von Johann Sebastian Bach und begründete die Tradition von St. Markus als Musikkirche. Die Orgel wurde 1949 und 1964 umgebaut und erweitert. 1967 wurde auf der Empore der Ostseite zusätzlich eine Orgel der Firma Ott aufgestellt, die speziell auf das Klangbild Bach‘scher Musik ausgerichtet ist. An Karl Richter erinnert eine Tafel im Eingangsbereich der Kirche.

Umbau 1956/1957

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Bild im Flyer über die Geschichte (c) St. MarkusBild im Flyer über die Geschichte (c) St. Markus1956-1957 erfolgte ein umfassender Umbau durch den Architekten Professor Gustav Gsaenger. Er umgab auf der Nordseite den Chor mit einem rechteckigen Baukörper; dadurch entstanden ein großer Gemeinderaum, ein Foyer und weitere neue Räume. Die Nordseite erhielt durch den Anbau eine gerade Fassade, die nur durch einen Durchblick zum mittleren Chorfenster unterbrochen wird. Auf der Südseite wurde der Turm erneuert; sein Sockel sowie das neugotische Portal mit seiner floralen Ornamentik und einem Engelshaupt als oberem Abschluss blieben unverändert. Die runden Treppenhäuser zu beiden Seiten des Portals wurden jeweils durch einen geräumigen Kubus mit großflächig verglasten Fenstern ersetzt. Im Inneren wurde eine stuckverzierte Rabitzdecke (eine hängende, an tragenden Bauteilen befestigte Decke) anstelle der provisorischen Holzbalkendecke eingezogen. An den Brüstungen der Emporen wurden die teilweise zerstörten Ornamente entfernt. Der Altar verblieb unverändert in der Rundung des Chorraums, auch das Taufbecken blieb an seinem Platz. Mit den Umbauten von Gustav Gsaenger hat St. Markus sein „klassisch-modernes“ Aussehen erhalten.

Umbau 2008/2009

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50 Jahre nach dem Umbau durch Gsaenger standen Sanierungsarbeiten an. In Kooperation mit dem Dekanat wurden dann Pläne für einen Umbau entwickelt, der das Profil der Kirche als Dekanats-, Musik- und Universitätskirche, als Kirche für Gemeinde und Stadtgesellschaft, widerspiegeln sollte. Ziele von Sanierung und Umbau waren eine bessere Erschließung von Kirche und Gemeinderäumen für Veranstaltungen. Den 2006 ausgeschriebenen Architektenwettbewerb für Umbau und Sanierung hat Eberhard Wimmer, München, gewonnen. Seinen Entwurf hat die „Stiftung zur Bewahrung kirchlicher Denkmäler in Deutschland“ (Stiftung KiBa) in einem bundesweit ausgelobten Wettbewerb 2008 mit dem dritten Preis ausgezeichnet. In der Begründung heißt es:
„Preiswürdig erschien der Jury das Konzept, das Kirchengebäude so umzubauen, dass sich die Gemeinde durch ein kirchlich reflektiertes Kulturangebot noch stärker als Universitäts- und Kulturkirche profilieren kann.“

Bild im Flyer über die Geschichte (c) St. MarkusBild im Flyer über die Geschichte (c) St. MarkusMit einer flexiblen Bestuhlung anstelle der Kirchenbänke, mit einer neuen Fußbodenheizung und einer modernen Licht- und Beschallungstechnik sind beste Voraussetzungen für eine vielfältige Nutzung der Kirche geschaffen worden. Der neue lichte sowie sehr helle Raum erforderte die Neugestaltung von Altar, Taufbecken und Ambo. Dafür wurde ein Wettbewerb 

ausgeschrieben, den der Münchener Künstler Benjamin Bergmann gewonnen hat. Sein Entwurf der Prinzipalstücke aus einem einheitlichem Material - Aluminiumguss in Holzstruktur - und in einheitlicher Gestaltung mit einer Beleuchtung von innen heraus über Lichtschlitze verleihen dem Ensemble eine ästhetische Kraft, die den Raum spirituell auflädt. Der Altar ist weit in den Chorraum hinein vorgezogen und bezieht damit Gemeinde und Liturgen aufeinander.  

Zur besseren Nutzung der Gemeinderäume hat Eberhard Wimmer einen turmartigen Anbau vor die Nordfassade gestellt, der einen Aufzug, ein Treppenhaus sowie neue sanitäre Anlagen enthält und mit einem Steg die beiden Teile von Gsaengers Anbau miteinander verbindet. 

 

Quellen: Martin Fürstenberg, in: Kirchenbau und Gemeindeentwicklung von St. Markus in München 1945-2010 (Rahden/Westf.) 2012, 15-103;
Rainer Schulz, in: Kirchenbau und Gemeindeentwicklung von St. Markus in München 1945-2010 (Rahden/Westf.) 2012, 178-211;
Rainer Schulz, Streiflichter zur Geschichte von St. Markus in München (unpubliziert).