Die Glocken der St. Markus Kirche

Einladungsschreiben zum Probehören der ersten St. Markus GlockenUrsprüngliche Anschaffung

Die Freude an den Glocken der 2. protestantischen Kirche beginnt am 18. Oktober 1876. Der damalige Dekan Buchrucker lädt die beiden Kollegien der Stadt ein, am Probeläuten teilzunehmen. In Leipzig waren sie gegossen. Schon das Hinaufziehen war ein großes Ereignis über mehrere Tage. Die Glocken von 1876 läuteten der Gemeinde einige Jahrzehnte.

Erster Weltkrieg

Ersatz der schadhaften Glocke im Jahre 1934Während dem 1. Weltkrieg 1917 wurden die Glocken das erste Mal vom Turm geholt und eingeschmolzen. Nach dem Krieg erhielt die Kirche ein neues Geläute. 1934 war eine der Glocken schadhaft geworden. Ein 30 cm breiter Sprung war aufgetreten. Deshalb musste die Gemeinde sich zu einer neuen Glocke entschließen. Sie wurde Anfang April 1934 hochgezogen.

Bei der Renovierung und Umgestaltung 1937 wird auch hinsichtlich des Glockenläutens eine Neuerung eingeführt. In seiner Sitzung am 1. Januar 1937 um 11 Uhr (!) beschließt der Kirchenvorstand:

„Zukünftig soll auch in St. Markus der Sonntag eingeläutet werden. Der Kirchenvorstand beschließt nach kurzer Beratung einstimmig, dass jeweils am Samstag, bzw. am Tag vor Feiertagen nachmittags um 3h mit allen Glocken geläutet wird.“

Zweiter Weltkrieg

Auch im 2. Weltkrieg wurden die Glocken wieder abgenommen. Am 31. März 1940 berichtet das Protokollbuch des Kirchenvorstands:

„Zweite Beschlagnahmung der Glocken

Auf Grund der Verordnung im Reichsgesetzblatt vom 15.III.1940, S.110 durch Generalfeldmarschall Göring sind die Glocken unserer Kirche vom Staat beschlagnahmt. Nach eingehender Aussprache beschließt der Kirchenvorstand einstimmig:

1. Es ist selbstverständlich, dass keine Kirchengemeinde sich nationalen Notwendigkeiten entziehen will, sondern jede Gemeinde bereit sein wird, alle notwendigen Opfer zu bringen.

2. Die Kirchenverwaltung hält es aber für ihre verantwortliche Pflicht, darauf hinzuweisen, dass die Ablieferung der Glocken für die Gemeinde ein sehr schweres Opfer bedeutet. Sie bitten deshalb die Kirchenbehörde, nach allen Kräften darauf hinzuwirken, es möge mit der Ablieferung solange zugewartet werden, bis die Erfassung der Glockenbronze unausweichlich geworden ist; und es möge namentlich die Ablieferung der Glocken nicht früher vorgenommen werden als auch die Ablieferung sonstiger Gegenstände aus Bronze wie etwa der öffentlichen Denkmäler.“

Eine einzige Glocke konnte nach langem Hin und Her der Gemeinde erhalten bleiben. Aber sie läutete bald nur noch über einem zerstörten Gotteshaus.

Nachkriegszeit

Die Kirche wird nach dem Krieg notdürftig in Stand gesetzt. Anfang der 50er Jahre werden die Umbaupläne für die „neue“ St.-Markus-Kirche diskutiert. Ein Auszug aus der Niederschrift über die Sitzung des Kirchenvorstands am 24. Oktober 1957 lautet schließlich:

„6. Glockenbeschaffung:

Von dem Kostenangebot der Firma F. W. Schilling-Heidelberg vom 25.7.1957 über Guß, Lieferung und betriebsbereite Montage der großen Glocke
mit dem Schlagton h° + 7 zu  15.544,50 DM
der 2. Glocke „ „ „ dis' + 4 zu . . .  7.764,75 DM
der 3. Glocke „ „ „ gis' + 4 zu . . .  3.516,— DM
der 4. Glocke „ „ „ h' + 7 zu 2  281,90 DM (für Nordtürmchen)
und der kostenlosen Umgießung der alten fis' Glocke, sowie der Auftragserteilung an die obige Firma hat der Kirchenvorstand Kenntnis genommen.

Desgleichen von dem Angebot der Herforder Elektrizitätswerke über die Lieferung und Montage der Läutemaschinen zu 4.121,— DM.
Für die Glockenstühle, Schwellenlager, Transporte u.a. sind weitere 6.872,85 DM aufzubringen.

Gesamtsumme. 40.101,— DM

Auf Grund des Gutachtens von L.K.M.Dir. (Landeskirchenmusikdirektor, redaktionelle Anmerkung) Professor Högner wird das Angebot der Firmen Schilling und Herforder Elektrizitätswerke einstimmig angenommen.

Die Finanzierung soll durch Spenden und durch Aufnahme eines zinslosen Darlehens in Höhe von DM 10.000.— DM von der Gesamtkirchenverwaltung auf 3 Jahre erfolgen.“

Zur Bemerkung der 4. Glocke „für das Nordtürmchen“ ist zu erläutern, dass die damaligen Pläne auf der Spitze der Nordseite noch einen Dachreiter vorsahen, der aber nie ausgeführt worden ist.

Die Zuversicht auf Spenden war groß. An der Inschrift der dis'-Glocke kann man erkennen, dass sich Gemeindeglieder in ungewöhnlichem Maß an der Beschaffung neuer Glocken beteiligt haben: „Gestiftet von Familie Kunz“.

Im Januar 1958 schon war mit der Neugestaltung der Kirche auch wieder ein neues Geläute auf dem Turm versammelt. Dekan D. Hecket sagte zur Einweihung: „Wo Glocken von den Türmen geholt werden, um aus ihnen Kanonen zu machen, da ist die Kirche in Gefahr und die Finsternis breitet sich aus.“

Einbau der neuen Glocken 1998

Vier Glocken waren neu. Die fünfte Glocke war aus der Bronze der früheren umgegossen worden, um ihre Schäden aus den Kriegstagen zu beheben.

1998 wurde der Kirchturm saniert. Schäden, die aus einer mangelhaften Verbindung des Innenbaus (der alten Kirche) mit dem Außenbau (aus den 50er Jahren) zu Rissen geführt haben, wurden beseitigt. Dabei stellte sich auch die Sanierungsbedürftigkeit der Glockenstühle heraus. Die Firma Rudolf Perner GmbH Et Co., Glockengießerei aus Passau, hat die Arbeiten ausgeführt. Seit dieser Zeit hängen die Glocken in neuen und neu gelagerten Glockenstühlen und sind - anders als vorher - an Eichenholz aufgehängt und haben neue Klöppel bekommen. Am 5. Dezember 1999 wurden sie wieder in Dienst genommen.

  


 

Töne und Inschriften

Die Glocke I ist die kleinste, die Glocke V die größte.
Die Reihenfolge der Aufzählung gibt die Hängung von oben nach unten an. 

IV. Oster- / Vaterunserglocke: Ton dis
Der Herr ist auferstanden. Matthäus 8,6.
Unten: A. D. 1957, Glockenbauerzeichen, gegenüber "Gestiftet von Familie Kunz".

I. Taufglocke: Ton h
Wer da glaubet und getauft wird, der wird selig werden. Markus 16,16.
Unten: unter dem Glockenbauerzeichen A. D. 1957

II. Reformationsglocke: Ton gis
Gott ist unsere Zuversicht und Stärke. Psalm 46,2.
Unten: unter dem Glockenbauerzeichen: A.D. 1957

III. Pfingstglocke: Ton fis (Stundenschlag)
Wo aber der Geist des Herren ist, da ist Freiheit. 2. Kor. 3,17.
Unten: A. D. 1957, darüber das Glockenbauerzeichen.
An der Glocke außen Spuren des Schlaghammers.

V. Weihnachtsglocke: Ton h
Ehre sei Gott in der Höhe und den Menschen ein Wohlgefallen. Luk. 2,14.
Unten : A. D. 1957 darüber das Glockenbauerzeichen.

 


 

Zum Anhören:

Glocke St. Markus München, Foto: Archiv

 Das Glockenläuten der St. Markus Kirche